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Jährlich werden ca. 700–900 Tonnen Bernstein im Tagebau gefördert. Davon ist jedoch nur ein Bruchteil zur Schmuckfertigung geeignet. Die meisten Fundstücke sind klein. Die beiden größten Bernsteine, die 1922 und 1970 in Schweden gefunden wurden, wiegen je etwa 1,8 kg. Sieben andere Stücke, die bis 1968 aufgesammelt wurden, haben ein Gewicht zwischen 0,8 und 1,2 kg. Das weltweit größte bisher geborgene Bernsteinstück wurde von einem schwedischen Hummerfischer aus dem Meer geholt und besaß zum Zeitpunkt des Fundes eine Masse von 10,478 kg. Da man etwas davon abgeschlagen hat, wiegt es nun noch 8,868 kg. Bekannter als dieses Fundstück ist ein 48 x 22 x 20 cm großer und 9,1 kg schwerer Block im Berliner Museum für Naturkunde der Humboldt-Universität.
Von 1974 bis 1993 war das sachsen-anhaltische Bitterfeld ein wichtiges Abbaugebiet. Als die Sowjetunion in den 1970er Jahren ihre jährlichen Exporte drastisch senkte, gab dies den Anlass dazu, im Bitterfelder Braunkohlen-Tagebau den Bernstein zunächst mit Schürfharke und Schaufel, ab 1976 mit Löffelbaggern und einer Förderanlage mechanisch abzubauen. Ende der 1990er Jahre wurde die Grube geflutet und die bernsteinträchtigen Schichten dadurch unzugänglich.
Bis 2002 war der Hauptfundort die große Grube von Palmnicken bei Kaliningrad (Königsberg), das durch seine großen im Tagebau zugänglichen Bernsteinvorkommen bekannt wurde. Nach der Erschöpfung der Vorkommen in Schwarzort wurde 1827 bei Palmnicken das weltweit wohl einzige Bernsteinwerk durch die Firma „Stantien & Becker" eingerichtet. Palmnicken wurde angelehnt an das russische Wort für Bernstein, jantar, in Jantarny umbenannt, nachdem es nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der Sowjetunion geworden war. In Jantarny wurde der Succinit aus der „Blauen Erde" gefördert.
Die „Blaue Erde" ist eine mehrere Meter dicke, graugrüne Sedimentschicht, die Glaukonit und den Baltischen Bernstein enthält. An manchen Stellen enthält ein Kubikmeter zwei bis drei Kilogramm Bernstein. Das Vorkommen erstreckt sich großflächig an der Küste bis in 10 m und im Binnenland bis in 30 m Tiefe. Nachdem der Abraum über der „Blauen Erde" abgetragen wurde, schrappte ein Bagger mit großer Schaufel eine Tonne Erde von der Wand ab und lud sie hinter sich ab. Dann wurde das Substrat mit Wasser aufgeschwemmt. Als nächstes wurde die schlammige Masse von großen Pumpen über kilometerlange Rohre ins Kombinat befördert. Dort siebte man den Bernstein heraus und führte ihn der weiteren Verwendung zu. Der verschlämmte Abraum floss über ein Rohrsystem in die Ostsee.
Nachdem durch den russischen Zoll große Mengen Diebes- und Schmuggelware (ca. 900 – 1000 kg Rohbernstein und bis zu 6000 Stück Fertigerzeugnisse innerhalb von zwei Jahren) beschlagnahmt worden waren, deren Spuren in das Bernsteinkombinat Jantarny zurückverfolgt werden konnten, erhöhte man die Sicherheitsvorkehrungen an der Palmnickengrube, die 90 % der jährlichen Weltlieferung förderte. Schließlich gab man sie im Jahr 2002 auf und flutete den Tagebau.
Die Schließung des Bernsteinabbaus in Jantarny hat für den Handel zur Folge, dass die Bernsteinpreise seitdem steigen. Da man in den letzten Jahren den Bernstein sogleich verkauft und nicht gehortet hat, ist ein Engpass entstanden. Auf der Bernsteinmesse „amberif" in Danzig gab es zuletzt nur wenige gute Inklusen zu kaufen. Prognosen zufolge soll es in den nächsten Jahren einen Mangel an Bernstein im Angebot geben, der die Preise in großem Maße steigen lassen soll, auch wenn es weiterhin Gerüchte über eine neu eröffnete Gruben (Promorskoye) in der Exklave Kaliningrad gibt.
Da Polen in der Antike an der Bernsteinstraße lag, war das Material dort schon immer ein wertvoller Rohstoff, der besonders im 2. Jahrhundert gehandelt wurde. Auch in heutiger Zeit ist Polen ein wichtiger Bernsteinlieferant, dessen Vorräte auf 12.000 t geschätzt werden. Der polnische Bernstein stammt hauptsächlich aus Mozdzanowo, wo er in vielen unterschiedlichen Farbtönen gefunden wird. 60 % der Fundstücke sind durchsichtig. Auch an der Verbindungsstelle zur Halbinsel Hela findet sich Bernstein in 130 m Tiefe. Kürzlich wurden auf der Lubliner Hochebene Vorkommen entdeckt. Damit vergrößert sich wieder das Bernsteinangebot.